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Meister & FetischDas Gespräch mit den beiden wurde für einen Beitrag über Filmmusik in der Sendung "Tracks" bei ARTE, August 1999 von Siliva Kaiser geführt. Am Ende des offiziellen Teils konnte Stefanos Tsarouchas, der als Berater für den Fernsehbeitrag engagiert wurde, ein paar eigene Fragen stellen. 

Meister & Fetisch haben unter anderem die Musik zu Rainer Kaufmanns "Long Hello & Short Goodbye", aber auch Werbemusik wie zum Beispiel für die A-Klasse von Mercedes Benz komponiert  Zusammen mit Kaos bilden Fetisch und Meister TERRANOVA.

Silvia Kaiser: Wie kam Rainer Kaufmann auf Fetisch & Meister?

Fetisch: Ich bin mit dem Rainer Kaufmann schon vor ein paar Jahren zusammengekommen durch eine musikalische Beratung für einen früheren Film von ihm. Er ist auch dieses Mal bei LONG HELLO & SHORT GOODBYE auf mich zugekommen, damit ich ihn musikalisch berate. Vor allem ging es Rainer um die Fremdtitel in dem Film. Durch die Arbeit und in dem Prozeß sind wir irgendwann zu dem Punkt gekommen, daß ich mit meinem Partner Marko die Musik selber herstelle, um sie wirklich speziell und filmspezifisch haben zu können. Dadurch das wir selber Musik mit anderen Projekten machen, lag das irgendwie auf der Hand.

S. Kaiser: Was habt Ihr davon gehalten die Musik zu schreiben?

Fetisch: Viel. Ich meine, wir haben direkt noch nie einen ganzen Film vertont. Wir haben vielleicht in früheren Kinofilmen auch anderer Regisseure mal Titel für Filmszenen bereitgestellt. Score an sich haben wir hier zum ersten Mal komponiert. Das hat uns sehr gereizt, weil wir den Film auch sehr interessant fanden. Es war eine tolle Aufgabe. Dazu kam, daß wir viele Freiheiten hatten. Das ist immer eine sehr inspirierende Arbeitsgrundlage, viel Freiheit zu haben.

Silvia Kaiser: Filmregisseure haben doch meistens keine Ahnung von Musik, nehme ich mal an, außer sie haben wie Tom Tykwer eine Musikausbildung. Wie war denn da die Zusammenarbeit?

Fetisch: Ich finde, der Rainer Kaufmann hat ein großes Verständnis für Musik. Wir hören privat ähnliche Platten. Sowieso haben wir einen ähnlichen Geschmack. Er hat uns einfach vertraut, was die Ästhetik unserer Musik betrifft. Wir haben uns vielleicht gemeinsam andere Filme angeschaut, wo wir der Meinung waren, da wird Musik interessant und gut eingesetzt und ja, dann hat er uns einfach machen lassen.

S. Kaiser: Das ist ja schon mal nicht schlecht, daß kann ich mir gut vorstellen. Wie ging ...

Meister: Was man dazu noch sagen kann, ist, daß der Rainer auch ein ganz gutes Gefühl dazu hat, wie man Musik im Film einsetzen kann. Wahrscheinlich durch seine vorigen Filme, wo er wahrscheinlich auch selbst immer die Kontrolle behält. Er hat einfach unheimlich viel Erfahrung. Insofern hat er ein sehr gutes Gefühl, wie man Musik in Szenen einsetzt.

S. Kaiser: Wie gingt Ihr beim Komponieren vor?

Fetisch: Das Komponieren sind wir so angegangen, daß wir uns das damals noch rohe und noch nicht fertig geschnittene Bildmaterial angeschaut haben, Wir haben viel zusammengearbeitet. Ohne viel zu reden haben wir eine ähnliche Ästhetik haben. Wir uns einfach kurz entschlossen, wie die Filmmusik prinzipiell, welche Ästhetik sie haben muß, kann oder haben sollte, und in welche Richtung wir gehen wollen. Wir haben dann zusätzlich überlegt, wie man das vielleicht instrumentiert. Ja, welche Ästhetik die Musik hat und jetzt habe ich den Rest der Frage verstanden, verloren ...

S. Kaiser: Wie ging das praktisch vor sich?

Fetisch: Der praktische Teil des Komponierens sieht halt so aus: So früh wie möglich komponiert man zum Bild. Das haben wir vor allem bei der Arbeit gemerkt, denn kaum haben wir irgendwie etwas angefangen und haben nicht mehr aufs Bild geschaut, sind irgendwie einfach drauf los, läuft das oft im Film dann auseinander. Man erdrückt dann entweder die Szene oder bewertet sie irgendwie in eine andere Richtung. Das sollte eher bewußt entstehen als unbewußt. Also, wenn man sich zum Beispiel entschließt eine Szene musikalisch zu kontrapunktieren, dann sollte das bewußt geschehen und nicht, also, ich halte nichts davon bei Filmmusik einfach was zu machen und dann auf Ach und Krach das danach anzulegen. Ich finde, daß muß in absoluter Harmonie mit den Bildern passieren. Das ist auch so, wenn man mit anderen Musikern zusammenspielt, genau das gleiche. Man muß also sensibel aufeinander reagieren, finde ich. Wir haben das technisch umgesetzt, daß wir hier unseren Fernseher haben und unseren Videorecorder. Dann bekommen wir eine VHS-Kassette auf dem eine Tonspur und eine Syncspur ist. Die Syncspur wiederum steuert unseren Computer an. Unser Computer ist unser Speichermedium. Das heißt, wenn man Keyboards spielt oder Rhythmen oder andere Instrumente nimmt man die erst mal im Computer auf und arrangiert die dann zum Bild. So war’s gewesen oder? (lacht)

S. Kaiser: Die Musik bringt den Film schon in eine atmosphärische Richtung, das ist ja schon eine Macht, die man als Musiker hat. Ob man da 'ne witzige Musik drunter legt oder eben gerade in diesem Film eine eher melodisch, melancholische...

Meister: ... melancholisch vielleicht ...auf alle Fälle.

S. Kaiser: Rainer Kaufmann hat doch bestimmt auch gesagt, so ich möchte jetzt den Film in eine bestimmte Atmosphäre bringen. Wie war das denn?.

Fetisch: Soll ich jetzt schon antworten?

Allso, es ist sicherlich ganz richtig, daß man mit dem Regisseur soweit wie möglich im Dialog ist: Was er mit dem Film will? Also, das es nicht nur darum geht, daß wir den als Musiker interpretieren, sondern das sicherlich geklärt wird, was die Musik forcieren, hinzufügen oder wie sie den Film bereichern soll. Das ist mir auch ganz wichtig, weil es eine Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und den Musikern ist. Es ist auch ganz wichtig, daß ein Film durch die Musik plötzlich ganz anders bewertet wird. Das geht ganz schnell. Das liegt oft in der Hand des Komponisten, Szenen in irgendeine emotionale Ecke zu drücken. Das kann’s aber nicht sein. Ich bin immer dafür, daß Regisseur und Musiker ganz eng zusammenarbeiten. Der Regisseur macht seine Visionen klar, in diesem Fall Rainer Kaufmann. Das halte ich für sehr wichtig. Sicherlich diskutiert man auch an manchen Punkten im kreativen Prozeß, aber das gehört dazu. Also sonst mache ich meine eigenen Filme, lieber so, anstatt mich dann irgendwie wegdrücken oder anders hin drücken zu wollen.

S. Kaiser: Inwieweit spielt Stimmung und Rhythmus der Darsteller für Euch eine Rolle? Ihr habt ja das Material schon gehabt.

Fetisch: Also ich laß’ mich beim Komponieren sehr von den Augen der Schauspieler beeinflussen, also von der Stimmung in den Augen der Schauspielern in der jeweiligen Szene. Ich achte auch sehr auf den Rhythmus der jeweiligen Szene und auch des Films überhaupt. Also, das es nicht wegrennt oder nicht eine unnötige Hecktick reinbringt. Es ist schon sehr wichtig, was sich da emotional im Spiel andeutet. Das ist ganz wichtig und das kann man auf jeden Fall durch die Musik forcieren. Ich selber bin auch ein großer Fan von Filmmusik auch von früher, die immer, vielleicht einen Tick emotionaler ist als das, was vielleicht tatsächlich passiert. Das ist bei fast allen meiner Lieblingsfilme der Fall und bei fast allen meiner Vorbilder, wahrscheinlich auch bei diesem Film.

S. Kaiser: Was sind denn deine Vorbilder?

Fetisch: Von Regisseuren? John Carpenter.

S. Kaiser: Und von Filmkomponisten?

Fetisch: John Carpenter als Regisseur und auch als Filmmusiker, David Lynch als Regisseur und auch als Filmmusiker, dann bin ich natürlich ein großer Fan, auch von Lalo Schifrins DIRTY HARRY. Ich bin ein großer Fan von den Steve McQueen Filmen BULLIT, GETAWAY und auch ein großer Fan von Stanley Kubricks A CLOCKWORK ORANGE und auch anderen Filmen von ihm, wo ich immer finde, daß Musik ganz großartig und wichtig eingesetzt ist. Manchmal hat sie auch noch eine zweite emotionale Ebene reingebracht. Dadurch hat sie alles noch magischer gestaltet

S. Kaiser: Wie wichtig ist die Musik für die Botschaft des Films?

Fetisch: Mir persönlich sind Botschaften in Filmen gar nicht so wichtig.Ich denke selten über Botschaften in Filmen nach. Ich denke ganz einfach darüber nach, ob man es schafft ein paralleles Universum für alle die im Kino sitzen oder später vielleicht auch vorm Fernseher zu schaffen, während sie diesen Film gucken, in dem sicherlich auch Botschaften versteckt oder offensichtlich sind. Erst gilt es überhaupt ein paralleles Universum zu schaffen. Dafür ist die Musik ganz wichtig, finde ich. Bei den meisten Filmen, die ich mag, ist es auch so, daß es da geschafft wurde.

Aber oft ist es so, muß ich auch kritisch sagen, ganz oft so, daß Musik bestimmt, wenn man jedem Regisseur oder jeden Produzenten fragt, eine große Rolle spielt, aber oft, das fällt mir vor allem in Deutschland auf, weil ich hier lebe, erst in letzter Minute behandelt wird. Also es passiert oft, daß alles fertig ist und dann wird sich in wilder Panik um Musik gekümmert. Da werden natürlich immer Abstriche in der Qualität passieren. Wie alles andere im Film, braucht alles seine Zeit um zu reifen. Wenn man das Ganze drei Wochen vor Mischung irgendwie angeht, dann wird die Qualität darunter immer leiden. Man wird oft einfach Standarduntermalung hinbekommen, was glaube ich oft passiert . Filme die vielleicht auch vom Potential sehr gut sind, werden dann nicht so gut, wie sie hätten sein können. Durch diesen Mangel an Respekt, der irgendwie passiert, weil man so was vielleicht schon vor Drehbeginn einfach klären sollen. Man sollte sich, genauso wie man sich einen Kameramann sucht oder einen Ausstatter oder die Schauspieler, im Vorfeld schon um die Musik kümmern.

Ich bin der Meinung, daß das in Amerika und auch in England z.B. passiert. Das wird dort gemacht. Deswegen ist es dann auch so perfekt, wie es sein kann. Ich glaube, daß es hier noch ein bißchen hinkt. Vielleicht ändert es sich gerade. Ich hoffe, es ändert sich gerade, weil Filme dadurch nur bereichert werden können. Und, wie man sieht, spielen in Amerika und England auch Soundtrack eine Rolle. Hier vereinzelt auch. Es sind alles Sachen, die kann man in einer Planung eines Films von vorn herein einfließen lassen und einfach so gut wie möglich lösen. Ich wünsche mir, daß das bald hier auch Standard ist.

S. Kaiser: Also das merkt man auch ein bißchen bei LOLA RENNT, der wirklich, wo wahrscheinlich von Anfang an, an die Musik gedacht wurde, weil Tom Tykwer selbst auch mitgemacht hat....

Fetisch: Kann sein, ja.

S. Kaiser: Das wird so suggeriert. Ich hab’ halt bei dem Film so das Gefühl, daß die Musik schon vorher im Kopf war oder mit beim Ausdenken der Bilder ...

Fetisch: Der Rhythmus vielleicht, wenigstens.

S. Kaiser: Hm, Soundtracks. Inwieweit habt Ihr die Hintergrundgeräusche gesampelt und im Sounddesign verarbeitet?

Fetisch: Wir haben auf jeden Fall viel mit Sampling gearbeitet. Viel mit Geräuschen, weil wir Musiker sind, die sehr Detail verliebt sind und viel mit so ’nen Dingen arbeiten, auch bei anderen Projekten, unabhängig vom Film. Dazu kam jetzt bei dem Film ein Sounddesigner bei der Bavaria, den wir sehr respektieren.

S. Kaiser: Ist Sounddesign so ein bißchen was Neues? Was sich erst in den letzten Jahren erst so entwickelt hat?

Fetisch: Also ich glaube Geräuschemacher gab es schon immer. Und wenn die früher mit der Faust auf den Sandsack gehauen haben! Türenquietschen aufgenommen haben oder was der Teufel was. Geräuschemacher gab es schon immer und dadurch, das alles irgendwie elektronisch hergestellt wird, ist natürlich in dem Prozeß auch aufgefallen, daß es vielleicht unwirkliche Sounds geben kann. Aber ich glaube, daß gibt es schon länger. Ich denke mal, daß ist auch sehr wichtig,. Das fällt mir bei Leuten wie David Lynch oder so auf, wie wichtig Sounddesign ist. Manchmal kann Sounddesign aber auch nerven.

S. Kaiser: Wenn man es schlecht macht?

Fetisch: Ja, wenn man es einfach so ...

Meister: ... übertreibt ...

Fetisch: Ja, wenn man es einfach übertreibt. Wenn es dadurch manchmal ungewollt Cartoon Dimensionen hat. Sehr viel an Werbung erinnert Das finde ich persönlich nicht so gut.

S. Kaiser: Habt Ihr den die Geräusche am Computer hergestellt? Oder habt Ihr die auch ...

Fetisch: Wir produzieren Geräusche nicht nur am Computer. Wie es uns halt in den Kopf kommt! Ob wir es hier mit so alten Synthesizern machen oder mit Filtern, Effekten oder weis der Teufel! Da gibt es keine Grenzen. Keine Vorschriften.

S. Kaiser: Und Ihr habt ja die Geräusche auch in die Musik mit verarbeitet.

Fetisch: Auf jeden Fall. Geräusche sind jetzt Teil der Musik. Oder wenn jemand anders Geräusche machte, müssen wir die Sachen zusammenbringen. Ich meine jede Autohupe ist ein Ton und kann sehr unangenehm wirken, wenn sie nicht mit der Filmmusik harmoniert mit. Eine Autohupe kann auch beruhigend, wenn sie mit der Musik harmoniert. Das sind alles Sachen, die man alle berücksichtigen sollte oder muß, wenn man so etwas macht.

S. Kaiser: Du hattest noch am Anfang, als die Kamera noch nicht lief irgendwie etwas sagen wollen, was in Amerika besser ist ...

Fetisch: Zum Thema Soundtrack in Form von LP oder CD, woran natürlich jedem Musiker viel liegt. Dazu kann ich nur sagen, daß das auch in Deutschland noch problematisch ist.

Da komm ich wieder auf die gleiche Situation zurück: Wo es sich um das zu spät Kümmern geht, was den Komponisten betrifft. Nämlich auch das muß vor Drehbeginn konzipiert werden. Das ich da schon Partner finden sollte oder könnte und auch eng zusammenarbeite. Oft ist es so, und das haben wir auch selbst erlebt, daß Verleihproduktion und Plattenfirma nicht unbedingt so eng zusammenarbeiten, wie es eigentlich schön wäre, weil ja allen dadurch gedient wäre. Erst mal sollte der Film durch die Musik mit beworben werden, wenn sie gut ist und umgekehrt.

Oft passiert es, daß sich die jeweilige Plattenfirma einfach nur auf den Erfolg des Filmes verläßt und auf das Marketing im gleichen Zuge. Es gab viele Filmmusiken, auch erfolgreiche, die aber noch erfolgreicher hätten sein können, wenn die Plattenfirma unabhängig von dem Film auch dafür sorgt, daß der Soundtrack behandelt wird, wie vielleicht jeder andere Pop-Song auch. Nämlich, daß sie gebührend beworben wird. Es gab auch schon Beispiele in der Filmgeschichte, wo sich Filmmusiken gut verkauft haben an Leute, die den Film gar nicht angekuckt haben. Oder vielleicht sind Leute in den Film gegangen aufgrund des Tonträgers. Ich finde, daß kann auch hier in Deutschland besser funktionieren. Ich glaube, daß funktioniert in England, in Amerika schon viel besser. Hier ist es noch nicht so gut, obwohl es doch wahnsinnig spannend ist. Das geht hier oft unter. Das fällt mir irgendwie auf, bis auf wenige Ausnahmen.

S. Kaiser: Das ist interessant. Das hat nämlich gerade der Verkaufsleiter von WOM auch gesagt, daß die CD leider immer nur dann gut verkauft, wenn der Film auch erfolgreich ist. Dabei ist es ja, habe ich gedacht, tja, Blödsinn. Weil oft, wenn der Film gut ist, die Musik darin gar nicht gut ist oder umgekehrt. Der Film ist ein Flop, trotzdem ist die Musik total gut.

Fetisch: Wie gesagt, es gibt in Amerika und England Ausnahmen. Es gibt Filmmusiken, die haben sich gut verkauft. Sachen wie TRANSPOTTING oder PULP FICTION, die haben die nicht nur einfach ins Regal gestellt. Da lief bei uns TRANSPOTTING noch gar nicht, da habe ich den Soundtrack überall gesehen. Die Leute hatten den zu Hause.

Das ist sicherlich nicht ein Fehler der Verkaufsleiter der Plattenläden, sondern es ist einfach ein Defizit in der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fraktionen, auch ein Defizit der Plattenfirmen, weil man auch nicht jeden Soundtrack gleich behandeln kann. Man muß es projektbezogen und individuell behandeln.

Man kann doch nicht einen Teenagerfilm, der beispielsweise mit deutschem Hip-Hop, Teenagermusik gespickt ist, genauso behandeln wie einen TITANIC Soundtrack oder so. Das ist doch hirnrissig. Es handelt sich um völlig verschiedene Musiken. Dem entsprechend muß man sie behandeln.

Ich habe das Gefühl, die Plattenfirmen haben ein Muster, wie sie Soundtracks behandeln, bewerben oder verkaufen und daß ziehen die durch die Bank durch. Ich glaube, die könnten mehr Geld verdienen.

S. Kaiser: Wie ist es denn? Du hast den, Ihr habt den Soundtrack produziert?

Fetisch: Genau! Wir haben eine CD zum Film. Wir arbeiten auch mit Fremdtiteln in LONG HELLO & SHORT GOODBYE.

Es gibt Musik in dem Film, die ist 15 Minuten lang und funktioniert in der Form, meiner Meinung nach, nur mit den Bildern. Wir haben dementsprechend die Originalmusiken ausgesucht und zum Teil auch für die CD umarrangiert, damit sie auch, wie gesagt, in anderer Umgebung relevant ist Wir haben die Musiken mit Atmosphären und zum Teil mit Dialogen aus dem Film zusammengemischt, so daß es wie ein 60 minütiges Stück ist.

S. Kaiser: Die Gewinne aus der CD fließen an Euch zu?

Fetisch: Zum Teil schon. Wenn wir eine Musik herstellen, komponieren und aufnehmen, dann .sind wir sicherlich dran beteiligt. Wie jeder andere Musiker auch. Da sind wir nicht die Einzigen.

S. Kaiser: Mich interessiert es nur. Nun ist es ja für Euch im Prinzip relativ wichtig, daß der Soundtrack auch einen Song hat, daß der Soundtrack auch verkaufbar ist.

Fetisch: Auf jeden Fall! Wir sind stolz auf die Musik, die wir gemacht haben und freuen uns, wenn’s die auf CD gibt und wenn soviel Leute, wie möglich sie hören können, natürlich weil wir dazu stehen und nicht für uns alleine Musik machen, sondern weil wir das Bedürfnis haben, daß andere Leute uns hören, daß ist ganz klar. Das muß, wie gesagt auf dem Format der CD auch relevant sein, ohne daß ich im Kino sitze. Es muß im Auto funktionieren, zu Hause, zum Teil auch im Club. Ich denke, daß haben wir geschafft durch ein Adaptieren, Umarrangieren und Neumixen.

S. Kaiser: Kannst Du was über den, oder Ihr, parallel entstandenen Videoclip erzählen!

Meister: Wir hatten den Auftrag den Titelsong zu machen. Nach dem wir die ganze Score Geschichte gemacht haben, kam halt die Aufgabe dazu. Man hat uns beauftragt einen Titelsong zu machen. Das Video wurde dann parallel mit der Sängerin Cath Coffey, die aus London kommt und eine gute Freundin von uns ist, relativ am Ende des Filmdrehens, in Hamburg gemacht, wo wir persönlich gar nicht anwesend waren. Wir haben uns nur abends mal zum Bier getroffen. Das Video wurde dort in einer Super-Kantine gedreht, alles in Orange.

Fetisch: Original Location vom Film

Meister: Mit dem Drehen des Videos hatten wir gar nichts zu tun gehabt. Wir sind aber total zufrieden. Wir finden das Video sehr geil.

S. Kaiser: Der Videoclip, würde ich sagen, ist eine Art Werbung für den Film und den Soundtrack.

Fetisch: Ein Videoclip an sich ist sicherlich immer kreative Werbung, weil’s ein kreatives Medium ist. Aber ein Videoclip ist immer Werbung, würde ich sagen.

MTV und VIVA sind am Ende auch Werbekanäle, die das Produkt der Plattenfirmen verkaufen. Und in einem Fall von einem Titelsong für einen Film ist es halt eine Crosspromotion von der ein Film auch profitieren kann, natürlich weil er oft Ausschnitte aus dem Film hat und irgendwie die Leute ankratzt um in diesen Film zu gehen

S. Kaiser: Gibt es da eine Vorlaufzeit?

Fetisch: Ich glaube... Es gibt eine Vorlaufzeit, die länger sein könnte ...

Meister: Zwei ...

Fetisch: In dem Fall glaube ich ‘ne Woche oder so.

S. Kaiser: Das ist ja nicht lange!

Fetisch: Nee.

S. Kaiser: Vor allem kuckt man ja nicht permanent VIVA. Ich hab ihn z.B. noch nicht gesehen.

Stefanos Tsarouchas: Was mich interessiert, hat Rainer Kaufmann mit Temp Tracks gearbeitet?

Fetisch: Mit was?

S. Tsarouchas: Temp Tracks

Fetisch: Was ist denn das? Das kenne ich gar nicht.

S. Tsarouchas: Das ist Musik, die schon unter Szenen gelegt wurde und wo er gesagt hat, ich möchte so etwas Ähnliches, so eine Stimmung.

Fetisch: Das habe ich gemacht.

S. Tsarouchas: Gab es an Euch beide bestimmte Vorgaben für die Musik?

Fetisch: Weißt Du, ich habe von Anfang an die musikalische Beratung gemacht. Du weißt ja wie es ist, wenn Filme gemacht werden. Im Schneideraum werden Szenen ausgesucht, vor Drehbeginn Kassetten mit Musiken gemacht, die mir zu dem Drehbuch eingefallen sind. Die hat dann Rainer im Auto angehört. So haben wir uns allmählich über die Kassetten gefunden. Ich habe ich so acht Kassetten gemacht, ca. 8 Stunden Musik, die mir einfach zu dem Drehbuch eingefallen sind.

S. Tsarouchas: Ich meine, manchmal klang es so ein bißchen wie Peter Thomas, so ein 70’er Jahre Stil

Fetisch: Peter Thomas vielleicht nicht, was auf jeden Fall Fakt ist, ist das in den 70’er Jahren Filmmusik eher bandmäßig gemacht wurde. Das ist auch die Filmmusik, die uns sehr anspricht, weil wir vielleicht nicht unbedingt so versiert mit dem Orchester sind. Meiner Meinung nach muß man auch nicht in jedem Film ein Orchester hören. Das klingt zum Teil sehr bombastisch. Oft kannst Du dich später an nichts mehr erinnern, und das ist manchmal ein bißchen charakterlos, so schön es auch klingen mag. Insofern die 70'er Jahre. Wir sind ganz bewußt zurückgekehrt, wollten auch mit alten Instrumenten. Wir haben auch Flügelhorn und Cello, Gitarre und insofern auch ganz klassische Instrumente verwendet die aber elektronisch und psychedelisch mit moderner Studiotechnologie irgendwie 90'er Jahre gestaltet wurden.

S. Tsarouchas: War es eigentlich schon von Anfang an geplant, daß es in dem Film fast durchgehend Musik ist? So kam es mir jedenfalls vor, als ich den Film gesehen habe!

Fetisch: Den Umfang der Musik hat Rainer bestimmt. In der Mischung ist zum Teil noch mehr runtergelegt worden, als wir es eigentlich ursprünglich konzipiert hatten.

S. Tsarouchas: Habt Ihr Euch gestritten oder so?

Fetisch: Nein, das liegt in seiner Entscheidung. Worüber ich mich nur streite ist, welche Musik, aber wie oft er die Musik benutzt, liegt rein in seinem Ermessen.

S. Tsarouchas: Vielen Dank für das Interview!


© 1999 by Silvia Kaiser & Stefanos Tsarouchas. Alle Rechte vorbehalten.

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